Sein Leben zu erzählen...,

wer besser als Sie selbst kann Ihr Leben erzählen, oder einen Ausschnitt daraus ?

Geschichten weitergeben an seine Nachfahren, seine Freunde...

Sein Leben zu erzählen ist auch eine Art und Weise den Punkt zu machen, Abstand zu nehmen, vielleicht eine Befreiung...



Die folgende Erzählung ist ein Ausschnitt aus meinem Leben und meinen eigenen Umgang mit der  Krebserkrankung. 

Simone Gamm



Familie im Wandel

 

Hallo, ich bin die kleine Familienseele! Ich möchte euch mal erzählen, wo ich mich gerade aufhalte. Hier ist es ganz nett, richtig kuschelig. Ich glaube, man nennt mich so etwas wie Embryo oder Fötus. Ich weiß nicht, was das ist aber ich kriege hier alles mit. Man nennt das auch tonisch-emotional bzw. non verbal –ohne Worte. Ich bekomme jeden Tag einen Supercocktail. Der wird über eine Schnur an mich übertragen. Da sind ganz viele Hormone drin! Ich will euch mal beschreiben, wie ich aussehe. Ich habe Füße, Beine, Hände, Unter-, Oberkörper und einen Kopf, in dem ist was wichtiges drin, das Gehirn!

 

Ich will das ein bischen näher erklären. Das ist etwas was ich schon vorher wusste und etwas was sich vor langer langer Zeit in unserem Gehirn gebildet hat. Dazu kann ich eine Geschichte erzählen. Als die Dinosaurier noch hier auf der Erde gelebt haben, gab es auch noch Nagetiere. Jedes mal wenn so ein kleines Tier vor der Nase eines großen Dinosauriers vorbeispaziert ist, und der gerade Hunger hatte, wurde das Nagetier sofort verschlungen. Das ist ganz schön doof – dachten die anderen Nagetiere. Schon wieder einer Weniger! Und da entwickelte sich etwas: die Möglichkeit andere zu erkennen. Denn die Dinosaurier sahen sehr gut – was aber zum Problem der Nagetiere wurde, da sie ja, um zu überleben, nicht gesehen werden durften. Sie entwickelten also ein System. Die Tiere waren imstande, wahr zu nehmen, welcher Dino da vor ihnen stand. Wenn sie ihn schon einmal gesehen, gerochen oder gehört hatten. Das heißt, ihr Problem wurde zur Lösung, indem sie das, man nennt es auch limbisches System, entwickelten. D.h., psychische Funktionen werden da möglich, wo ein Gedächtnis besteht. Ich weiß zwar nicht, was das bedeutet, aber ich habe es in meinem Gehirn und es muss außerordentlich wichtig sein.

 

Auf meinem Rücken ist auch ein Rucksack. Da kann ich eine Menge reinpacken. Muss wohl etwas mit dem limbischen System zu tun haben. Ich weiß nur, dass er sehr wichtig ist. Ich kann alle Informationen, die ich von da draußen bekomme, in meinen Rucksack packen. So als würde ich mich auf eine große Wanderung vorbereiten, mein Leben. Ich muss also möglichst viel wissen von dem Leben, das da auf mich zukommt. Und so wie unsere ersten Vorfahren – die Säugetiere, packe ich alles in den Rucksack, wenn es Konflikte bzw. Stress gibt. Weil genau da, finde ich die Lösung. Ein paar Infos habe ich schon im Rucksack gehabt. Und zwar ist es wichtig, nicht zu wissen, wer man ist, sonst wird man nämlich ausgelacht. Ich bin also ein Geheimnis.

 

Jetzt will ich euch aber mal erzählen, wie ich hierher gekommen bin. Das war gar nicht so einfach. Ich habe eine Mama und einen Papa. Einen Opa P. und einen Opa H. Der Opa H. hatte eine Schuhmacherei und ein Schuhgeschäft. Es war um 1950. Die Menschen hatten nicht mehr so viel Geld. Der Opa H. war ein leutseliger Mensch und ließ die Schuhreparaturen anschreiben und irgendwann war kein Geld mehr da. Das Geld musste wieder rein. Die Erstgeborene Tochter M. musste zu den Leuten gehen und nach dem Geld fragen. Das war ihr ganz schön peinlich. Der Opa P. war in der Spar- und Darlehenskasse so ziemlich in der Chefetage beschäftigt und die Schuhmacherei war dort verschuldet. Bald darauf musste der Opa H. sein Geschäft und die Werkstatt schließen. Der Vorstand der Sparkasse hatte das beschlossen. Das Haus wurde versteigert und jedes mal, wenn der Opa P.  der Familie des Opa H.  begegnete dachte er, dass sie ihn für schuldig halten. Der Opa H. ist dann mit seiner Familie umgezogen, in dieselbe Straße, wo der Opa P. wohnte. Und wenn da der Opa P. wohnt, dann wohnt da natürlich auch seine Tochter. Und das ist ja jetzt meine Mama. Die hat dann den Sohn vom Opa H. kennen gelernt und der ist jetzt mein Papa. D.h., die ganz wichtige Information, die ich gleich in meinen Rucksack gepackt habe ist: „Schuld ist sinnvoll, sonst hätten sich Mama und Papa gar nicht kennen gelernt und ich wäre jetzt nicht hier“.

 

Dann ist der Opa P. ganz krank geworden – die nannten das einen Darmkrebs. Vielleicht ein Tier, was da im Darm rumkrabbelt. Auf jeden Fall war das gar nicht schön. Meine Mama war immer ziemlich traurig. Jeden Tag wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, wurden ihre Schritte immer langsamer, weil sie nicht nach Hause gehen wollte, um den Opa P. zu sehen, der da liegt und dem es gar nicht gut geht! Sie konnte den Krankheitsgeruch nicht ertragen und wenn mein Papa am Wochenende von der Stadt kam, freute sie sich, da sie nicht zu Hause bleiben musste. Sie hatte Mitleid mit der Oma. Die sich um den Opa kümmern musste. Eines Tages starb der Opa P. und meine Mama war erleichtert, weil er wie ein junger Mann aussah mit glatten Gesichtszügen. Sie war wieder froh. Das habe ich gleich in meinen Rucksack gepackt: „Ich darf nicht erleichtert sein, sonst bin ich tot“. Jetzt habe ich schon zwei wichtige Dinge eingepackt. Und wenn das so weiter geht, dann bin ich vorbereitet. Und so vergeht die Zeit. Mittlerweile bin ich schon drei Jahre alt und ich kann ziemlich sauer werden. Ich würde sogar fast sagen wütend. Das mache ich auch sehr gerne, vor allem dann wenn ich mittags nicht geschlafen habe. Mama sagte, dass ich nach einem Wutanfall immer so lieb war, als ob ich drei Stunden geschlafen hätte. Da kann ich mir ja gleich den Mittagsschlaf sparen und einfach ein bischen wütend sein.

 

Jetzt habe ich noch eine kleine Schwester bekommen, um die sich meine Mutter ständig kümmert. Sie hat überhaupt keine Zeit mehr für mich. Na ja, vielleicht hänge ich mich da mal ein bischen an Mamas Bein. Dann merkt sie, dass ich noch da bin. Meine Mama findet das überhaupt nicht toll. Leider haben wir hier in der Wohnung keine Schlüssel – ich meine in den Zimmertüren. Sie würde mich da gerne einschließen. Und plötzlich fällt ihr ein, dass die Kellertür einen Schlüssel hat. Und schwups mir nichts dir nichts, sitze ich da auf der oberen Kellertreppe! Allerdings ist die Tür zur Freiheit abgeschlossen. Es gibt nur noch den Weg in den Keller aber nicht aus dem Keller. Da setze ich mich hin und schaue mir die Spinnen an der Kellerdecke an. Es ist dunkel und ich bin sehr traurig, sehr sehr traurig. Ich wollte doch nur wütend sein, einfach nur wütend sein. Mir kommt es vor wie eine Ewigkeit aber nach einer kurzen Zeit, bin ich wieder in der Wohnung. Als dann mein Papa nach Hause kommt, fragt er natürlich, wie der Tag heute war. Das macht er immer und meine Mama erzählt ihm, wie wütend ich heute war und dass sie mich einfach in den Keller einsperren musste. Daraufhin hat mein Papa zu ihr gesagt: „Mach das nie wieder! – ich habe auch mal im Keller gesessen und ich weiß, wie das ist“. Da haben wir es doch wieder. Das habe ich doch schon in meinem Rucksack. Es ist wichtig, dass die Mama sich jetzt schuldig fühlt, denn dann komme ich nicht mehr in den Keller. „Schuld ist sinnvoll.“

 

Und dann gibt es so ein tolles Spiel. Ein Spiel wo ich überlegen musste – das blinkt grün oder rot. Da stehen Fragen drauf und die Antwort hat ein Licht. Grün ist richtig rot ist falsch. Meine Cousinen, die haben das Spiel und es ist wirklich toll. Es leuchtet und macht viel Spaß. Ich habe zu meiner Mama gesagt: „So ein Spiel möchte ich unbedingt auch haben“. Meine Mama hat geantwortet: „Ach nein, das ist teuer und wenn es kaputt geht, gerade mit den Lichtern ist das sehr empfindlich und die Batterien… „ Ich habe das Spiel nie bekommen. Das habe ich auch gleich in meinen Rucksack gepackt. „Du musst dir deine Existenz verdienen!“ Nichts ist gratis! Und so packe ich auf meinem Weg eine ganze Menge ein. Mein Leben wird danach ausgerichtet. D.h., ich brauche eine Menge Probleme. Das habe ich auch geschafft. Nicht nur kleine sondern auch große. Ich habe in Frankreich gelebt. Niemand sprach Deutsch. Mein erster Mann ist jung gestorben usw…

 

Generationswechsel

 

Ups wo bin ich? Wer bin ich? Ach so! Ich bin die nachfolgende Familienseele. Ich wohne in der jetzt alten Familienseele. Ich heiße auf indianisch „Weiße Taube“. Das bedeutet Frieden. Ich habe auch ein lymbisches System! Es gibt jetzt neue Untersuchungen. Im Frühjahr 2000 wurde die Entschlüsselung der gesamten Gene abgeschlossen. Dr. Joachim Bauer sagt „Gene sind keine Autisten. Sie können nur im Zusammenhang mit der Umwelt aktiv werden. In einer Studie im Jahr 2003 beobachteten Wissenschaftler die Wirkung von Nahrungszusätzen bei trächtigen Mäusen mit dem abnormalen Agouti-Gen. Methylgaben an das Muttertier verändern die Fellfarbe der Jungen von gelblich zu braun und reduzieren Fettleibigkeit, Diabetes und Krebs. Obwohl ihre Nachkommen das gleiche Agouti-Gen hatten wie ihre

Mütter.  Dr. Bruce Lipton erforschte, dass die Zellerinnerung durch die Zellenmembran gewährleistet ist.  Erziehungserfahrungen beginnen schon im Bauch „in Utero“ sagt man.Wenn Mama auf ihre Wahrnehmung der Umwelt reagiert, setzt ihr Nervensystem Signale in den Blutstrom. Ihr erinnert euch der Hormoncocktail. D.h., wir werden von Mama und Papa konditioniert. Ich weiß auch eine kleine Geschichte dazu. Zwei Regenwürmer werden getrennt in zwei Schuhkartons gehalten. Einer wird jeden Tag, sobald es hell wird (durch Öffnen der Schachtel) mit einer Nadel gestochen. Nach nur einer Generation werden die Jungen das Licht meiden und sich sofort in Sicherheit bringen sobald die Schachtel geöffnet wird.

Ich habe auch einen Rucksack auf dem Rücken und in dem ist schon eine Menge drin. Schuld ist sinnvoll. Es ist wichtig nicht zu wissen wer man ist, sonst wird man ausgelacht. Ich muss ein Problem für die Mama sein, damit sie nicht erleichtert ist. Damit kann ich schon etwas anfangen. Zumindest werde ich mich anstrengen, für meine Mama immer ein Problem zu sein. Dann freut sie sich.

 

Ich werde gerade geboren. Mein Papa hat sich verfahren. Der ist ins falsche Krankenhaus gefahren. Papa und Mama waren im Geburtshaus und da hat es nicht geklappt und sie mussten ins Krankenhaus. Jetzt ist die Mama in dem einen Krankenhaus und der Papa in dem anderen. Da muss ich wohl solange warten, bis er kommt. Denn die Mama schafft es sonst nicht alleine.Das denkt zumindest der Papa. Das habe ich auch gleich in meinen Rucksack gepackt. Ich werde mich anstrengen, damit sie nicht so alleine ist. Ich bin in eine Patch-work Familie geboren, wir heißen nämlich fast alle anders. Familie kommt aus dem lateinischen familia und heißt ursprünglich Dienerschaft, Gesinde, Hausgenossenschaft.  Es gibt so viele verschiedene Familienformen. Sie entstanden als Kirche und Staat sich trennten und Familienbande fehlten. Ich weiß auch dass Blut dicker als Wasser ist, dass man Vater und Mutter ehren soll und dass wir eine bucklige Verwandschaft haben.

 

Jetzt bin ich schon größer. Ich habe eine Menge gelernt, indem ich die Mimik meiner Eltern gedeutet habe. Das klappt wunderbar über das System der Spiegeleneuronen.

Meiner Mama ihr Körper, der rebelliert. Der hat auch Krebs. Ich habe gehört, dass sie gesagt hat, dass er ihre Identität sucht. Ich glaube, sie hatte vergessen, sie zu suchen und der Körper hat sie daran erinnert. Wenn kleine Tiere ihre Mama suchen, hinterlassen sie auch Sekret auf der Erde. Und meine Mama, wenn die ihr Klo nicht gehabt hätte, dann hätte ihre Mama sie bestimmt gefunden. Meine Mama hat gesagt, dass die Frau zu der sie hingeht eine Therapeutin ist. Das ist eine neutrale Person, die den „soziokulturellen“ Wandel im Kontext der eigenen Biographie durchgearbeitet hat. Therapeuten arbeiten nach verschiedenen Ansätzen. Die psychoanalytische Familientherapie arbeitet systemisch und psychodynamisch. Sie geht davon aus, dass das Ich, Über- Ich oder Es von den Eltern an die Kinder delegiert werden. Delegation ist der meist nicht bewusste Auftrag an die Kinder nicht gelebte Bedürfnisse oder Wünsche der Eltern zu leben. Ah ha, dann sind die Sachen in meinem Rucksack also von Mama und Papa.

 

Die verhaltenstherapeutische Familientherapie arbeitet zum einen mit der Psychoedukation zur Vermittlung von Informationen mit der Möglichkeit der Prävention und Früherkennung. Das heißt da schaut man sich die Dinge im Rucksack schon früher an. Zum anderen mit Kommunikationstraining bei dem basale kommunikative Fertigkeiten vermittelt werden. So so, dann wäre der Mama vielleicht schon vorher aufgefallen dass sie gar nicht wissen will wer sie ist und sie hätte sich gefragt warum? Und sie arbeiten mit Problemlösetraining um Strategien zur Bewältigung alltäglicher Lebensprobleme zu finden. Dann hätte sie gewusst wie sie ihren Rucksack sortieren könnte und so.

 

Die systemische Familientherapie möchte die Spielregeln innerhalb des Systems aufdecken und modifizieren. Damit können blockierte Entwicklungsprozesse wieder in Gang gebracht werden. Das kann ich mir gut vorstellen. Wenn beim Mensch ärgere dich nicht ein Hütchen den Weg blockiert, muss es auch aus dem Weg geräumt werden. Ich habe auch einen großen Bruder der ständig Nasenbluten hatte. Da hat die Mama eine Familienaufstellung, auch Familienskulpturverfahren genannt,  machen lassen. Da nimmt sich ein Protagonist, das ist ein Hauptdarsteller einen Statisten,.als Stellvertreter für seine eigene Familie. Die Mama hat gesehen, dass mein Bruder seinem verstorbenen Vater sehr hinterhertrauert und am liebsten auch tot wäre um bei ihm zu sein. Innerhalb dieser Aufstellung wurde das für ihn geklärt. Ein paar Tage darauf hatte er morgens vor der Schule so stark Nasenbluten, dass es gar nicht mehr aufhören wollte. Er fragte die Mama, ob er sterben müsse. Nach einer mit dem Arzt abgesprochenen homöopathischen Arzneigabe fiel er kurz in Ohnmacht und glaubte danach er sei im Paradies. Die Mama hat noch ganz lange mit ihm über seine Vorstellungen und Träume über den Tod mit ihm sprechen können. Seit diesem Tag an hat er nie wieder Nasenbluten gehabt.

 

Die Unterschiede der Therapien bestehen im äußeren Rahmen. Das nennt man auch Setting. Die Therapeutin meiner Mama wendet verschieden Techniken an. Davor fühlt sie sich, in Mama hinein. Empathisch nennt sie das. Und dann fühlt und vibriert sie mit ihr. Das nennt sie Syntonie. Das führt dazu, dass Mama sich endlich verstanden fühlt. Die Therapeutin arbeitet auch kinesiologisch. Sie geht davon aus, dass alles die Mama weiß und befragt sanft ihren Körper. Dann macht sie der Mama ihre Verhaltensmuster klar, die sie viele Male am Tag in Szene setzt, so dass die Mama dann denkt: Das ist ja ver-rückt was ich mache. Dann spürt sie dass das  viel stärker ist als sie und das sie gar nicht anders kann. Sie bittet die Mama auch Familienmitglieder nach ihren Erfahrungen, Gefühlen und Erlebnissen in ganz bestimmten Situationen zueinander zu erfragen. Das nennt sie zirkuläres Befragen. So hat die Mama herausgefunden was sie alles von anderen in ihrem Rucksack trägt. Und das sie es brauchte aber das es jetzt nicht mehr sinnvoll ist. Die Therapeutin hat der Mama gesagt, dass ihr Colon, das ist ihr Darm ein Sabotageprogramm für sie macht. Sie hat das auf Französisch gesagt:“ de ne pas pouvoir digerer et supporter cette vie de merde.“ Gut dass die Mama Französisch kann, denn das heißt soviel wie:“ Dieses Scheißleben nicht mehr verdauen und ertragen können.“ Ach deshalb musste sie immer auf`s Klo.

 

An ihren skizzierten Zeichnungen konnte die Mama mit Hilfe der Therapeutin erkennen wie traurig die Stimmung im Keller war, denn die Farben waren dunkel und wie ängstlich sie war, denn der Keller schwebte. Die Zeichnung auf der sie in der Mitte schaukelte war fröhlich wegen der hellen und bunten Farben. Sie hat auch schöne große Bilder gemalt, auf denen eine Spirale mit einem weißen Licht in der Mitte war und ein Bild mit einem großen Herz das pulsiert. Diese Bilder hat sie gemalt nachdem sie in Tiefenentspannung war. Da  waren auch die Worte des Engels des sich-überlassens zu lesen. Dieser Engel ließ sie die Chemo- und Strahlentherapie akzeptieren und durch kinesiologische Begleitung gut vertragen.

     

Manchmal benutzt die Therapeutin auch paradoxe Interventionen. Da möchte sie das Gegenteil von dem erreichen, was scheinbar erreicht werden soll. Sie erzählte der Mama die Geschichte vom Pastor der im Moor feststeckte. Der kleine Peter kam vorbei und fragte ihn:“ Herr Pastor, brauchen sie  Hilfe.“ Der Pastor lehnt ab. Auf dem Rückweg geht der kleine Peter wieder beim Herr Pastor vorbei, aber der lehnt abermals die Hilfe ab. Als der Peter am Abend in der Kirche vorbeischaut ist der Pastor immer noch nicht da. Er geht ins Moor, sieht ihn, bietet Hilfe an, aber der Herr Pastor, der bis zum Hals im Moor steckt, lehnt dankend ab. In dieser Nacht stirbt der Pastor und als er im Himmel ankommt fragt er:“ Warum habt ihr mir denn nicht geholfen.“ Gott sagt zu ihm:“ Wir haben dir dreimal den kleinen Peter geschickt“. Hier werden Probleme nur mit dem Tod gelöst. Die Therapeutin zeigt der Mama was  für einen unbewussten Spaß es ihr macht, Schrecken zu erleben. Dann sagt Mama, was sie schon alles versucht hat. Wie gefährlich es war, wenn das Problem ging und Gott sei Dank habe sie ihr Problem wahr. Kann doch nicht sein das alles prima läuft. Schrecklich, wenn alles klappen würde.

 

Die Mama hatte dazu auch einen Traum. Den habe ich gehört als sie ihn dem Papa erzählt hat:“Ich liege auf der Couch undschaue mir eine Sendung mir dem Dalai Lama an. Irgendwann schlafe ich auf der Couch ein und träume: ich sitze an einem Tisch und vor mir steht ein Glas. Eine Person, die ich nicht sehe, sagt zu mir: „Du kannst es!“ Ich weiß genau, was gemeint ist. Das Glas mit der Hand nicht zu berühren, aber es nur durch Energie aus der Hand zu verschieben. Ich sage: „Kann ich nicht!“ Die Stimme sagt wieder: „Du kannst es!“ Ich antworte abermals: „Nein, kann ich nicht!“ Die Stimme bleibt da: „Du kannst es!“ Ich hebe die Hand und halte sie im Abstand auf Höhe des Glases und konzentriere mich. Plötzlich bewegt sich das Glas von mir weg, ohne dass ich es berührt habe. Angst und Panik kriechen in mir hoch.  Ich fürchte mich sehr. Nächste Situation: ich sitze wieder an dem Tisch. Diesmal sitzt mir meine Freundin C. gegenüber. Ihre Handtasche liegt auf dem Tisch. Ich hebe die Hand und diesmal geht alles ganz schnell. Die Tasche fliegt förmlich von mir weg, als ich meine Hand ohne die Tasche zu berühren ausstrecke. Dabei strenge ich mich kaum an. Meine Angst ist wieder riesig. Ich habe mich selten so gefürchtet. Szenenwechsel: ich stehe vor dem Elternhaus meines Vaters und hebe plötzlich zum Fliegen ab. Ich kann aber steuern  wohin ich fliegen möchte, auch die Landung ist gewollt und ich lande vor dem Elternhaus meiner Mutter. Ich gehe zur Tür hinein und befinde mich im pulsierenden Leben. Viele Menschen, Geschäfte, Stimmen, Bewegung … eben Leben. Szenenwechsel: ich befinde mich zwischen Traum und Realität ich weiß, dass ich auf der Couch liege kann aber weder meine Augen öffnen noch mich bewegen. Etwas liegt auf meinen Schultern, umarmt mich. Ich habe große Angst. Versuche ganz bewusst meine Beine zu bewegen, mit ganz großer Kraft und Konzentration gelingt es mir sehr langsam. Ich bin wach und renne ängstlich in mein Bett.“ Damit war ihre Erzählung zu Ende.

 

Mama verstand nun, dass sie die Verantwortung für ihr Leben übernehmen konnte.

Dann hat die sie gedacht, dass Schuld sinnvoll war, es jetzt aber gar nicht mehr ist.

Und dann findet meine Mama das lustig, wenn sie in ihren Rucksack reinschaut und sieht was sich da alles gesammelt hat. Wie gehorsam und treu sie war aber auch dumm. Dann hat sie es kapiert und ihren Rucksack sortiert.

 

Und dann hat meine Mama zu mir gesagt:“ Danke, dass du immer mein Problem warst, indem du nie in den Wald gehen wolltest. Ich habe nämlich zweimal in der Woche nicht den Kinderladen besucht, weil Waldtag war und da wollte ich nicht hin. Ich konnte die Mama doch nicht alleine lassen. Ich habe zu ihr „Danke“ gesagt und jetzt gehe ich immer in den Kinderladen. Auch am Waldtag. Das habe ich jetzt aus meinem Rucksack wieder rausgenommen: Ein Problem für die Mama zu sein und sie nicht alleine lassen zu dürfen. Die Mama darf nämlich wieder erleichtert sein, ohne tot sein zu müssen oder sich zu erschrecken.

 

Ich weiß jetzt, dass ich gut überlege bevor ich etwas in meinen Rucksack packe. Ob das mir gehört oder nicht. Das liegt wohl daran, dass wir jetzt wissen dürfen wer wir sind. Die Mama hat dazu noch etwas geträumt: „Ich stehe vor einer großen Glasfensterfront. Vor mir liegt der Strand und das Meer. Das Meer kommt immer näher und riesenhafte schwimmende Urtiere kommen auf die Menschen, die im Wasser schwimmen, zu. Sie sehen aus wie Riesenkrokodile und Riesenhaie. Sie greifen die Menschen an, ich aber bin in Sicherheit hinter meinem Glasfenster. Ich habe Angst. Szenenwechsel. Es fährt ein Geisterschiff auf meiner rechten Seite in das Haus hinein. Es weht ein Hauch von Tod von ihm aus. Die Segel sind zerfetzt, niemand an Bord. Es wirkt gruselig. Szenenwechsel. Ich versuche mich durch Wände zu schlagen, die aus festem Stoff sind. Habe ich eine durchbrochen, steht schon die nächste da. Ein Labyrinth aus Wänden, ich komme aus diesem Gruselkabinett nicht heraus. Plötzlich, die letzte Wand. Vor mir liegt ein staubiger Sandweg, der sich unter der Erde befindet. Ein Mann kommt auf mich zu, packt mich am Arm und nimmt mich mit. Mein Gedanke: Jetzt ist alles aus. Die haben dich erwischt. Er bringt mich an einem Tisch und schreibt etwas auf. Er drückt mir eine Karte in die Hand, worauf steht: Mitgliedsausweis. Mein Gefühl, als ich das lese, ich bin frei und habe Zugang zu allen Zonen. Ich gehe davon.“

 

Mama wusste jetzt, dass sie gesund ist.

 

Die Familientherapie hat Mama deutlich aufgezeigt, wie innerhalb der Familie Realitäten oder zentrale Teilaspekte der Realität verleugnet werden. Indem verantwortungsvoll und in sanfter kinesiologischer Begleitung mit ihr und der Familie umgegangen wurde, konnten wir bewusst Veränderungen herbeiführen.

 

Und noch etwas, die Mama hat jetzt richtig Spaß am sammeln von Informationen und diese dann in Kontext zu ihrem Stammbaum zu setzen . Da können auch Photos analysiert werden. Das nennt sich Photogramm. Die Mama hat ein Bild gefunden, da ist ihr Opa P. mit seiner Frau, der Oma J. und seinen Kindern zu sehen. Wie die da so standen, sah das aus als würde jemand fehlen. Und tatsächlich, die Oma J. hatte genau zwischen diesen Kindern eine Fehlgeburt.

 

Ich bin auf jeden Fall freudig gespannt wie es weitergeht...

         

  Simone Gamm